ARISTO: Alles Un-SINN

Unter einem schweren Vorwurf hatte ARISTO Watch ein Jahr lang zu leiden. Die Pforzheimer Firma soll "Chronographen mit gestohlenen Sinn-Gehäusen" (UhrenMagazin 6/2000) gebaut haben. "Alles Un-Sinn" mußte nun Lothar Schmidt, Geschäftsführer der Frankfurter Firma Sinn Spezialuhren, eingestehen. Hansjörg Vollmer, Geschäftsführer der ARISTO Watch GmbH, redet nun zum ersten Mal öffentlich über diesen - in der deutschen Uhren-Branche bislang einmaligen - Skandal.

Hansjörg Vollmer:

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren ein Jahr lang bestürzt darüber, wie Menschen solche Unwahrheiten in die Welt setzen konnten. Viele Händler und andere Branchen-Insider vertrauten der Meldung im UhrenMagazin und behandelten uns dementsprechend.
Ermutigend war für die gesamte ARISTO-Belegschaft, dass
unsere übrigen Geschäftspartner die Absicht hinter dieser Falschmeldung erkannten und sich daraus sogar manche - für alle Beteiligten - wertvolle Zusammenarbeit entwickelte.
Und all denen, die sich in dieser Zeit zu uns bekannt haben,
sind wir aufrichtig dankbar.

Frage: 

Die Staatsanwaltschaft verzichtete nach Zahlung einer Buße auf die Anklagerhebung gegen Lothar Schmidt. Wie hatten Sie auf den Rückzieher der Firma Sinn reagiert?

Hansjörg Vollmer: 

Niemand bei ARISTO interessiert sich dafür, dass der Geschäftsführer der Firma Sinn zu einer
Geldbuße von 3.000 Mark verurteilt worden war. Meine
Frau holte für uns alle ein paar Flaschen vom besten Roten aus dem Keller, und wir waren einfach total happy. Einige Mitarbeiter - nicht nur die Frauen - haben nach all diesem Stress der vergangenen Monate spontan drauflos geweint, als die Nachricht aus Frankfurt kam.

Frage: 

War dieser Skandal die große Bewährungsprobe in der Firmengeschichte der neu gegründeten ARISTO Watch GmbH.

Hansjörg Vollmer: 

Ein wenig beneide ich doch schon all jene Uhrenmarken, die in ihrer Neu-Gründungsphase nicht mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Vor allem die ARISTO-Außendienstmitarbeiter mußten sich in den vergangenen zwölf Monaten manche ungerechtfertigte Anschuldigung anhören. Da wurde viel Porzellan zerschlagen. Aber ich sehe es auch positiv - die Spreu trennte sich vom Weizen.

Frage: 

Werden Sie den Fall jetzt weiter verfolgen oder auf sich beruhen lassen?

Hansjörg Vollmer: 

Die weiteren Entscheidungen überlasse ich unserem Rechtsanwalt. Er wird die notwendigen Schritte einleiten, damit wir zumindest einen Teil unseres Schadens erstattet bekommen.

Frage: 

Wie fühlen Sie sich nun als der Sieger in einem Rechtsstreit, der die Uhren-Branche ein Jahr lang beschäftigte?

Hansjörg Vollmer: 

Ich möchte mich nicht als Sieger - und erst recht nicht als Gewinner bezeichnen. ARISTO musste sich verteidigen gegen ungerechtfertigte Angriffe. Da war kein Wettstreit möglich, in dem wir etwas hätten gewinnen können. Es war nur ein Kampf für unsere Glaubwürdigkeit.

Frage: 

Sie sind damit juristisch voll rehabilitiert .....

Hansjörg Vollmer: 

Von Rehabilitierung kann keine Rede sein, wir waren ja nie angeklagt. Es war eigentlich nur eine von Herrn Schmidt behauptete Unwahrheit, die im UhrenMagazin verbreitet worden war.

Frage: 

Erwarten Sie für ARISTO jetzt den längst fälligen geschäftlichen Aufschwung?

Hansjörg Vollmer: 

Ich ich wage keine Prognose. Wir lassen uns gerne überraschen.

Frage: 

Der Markenname ARISTO hat endlich jeglichen faden Beigeschmack verloren. Wollen Sie jetzt unbeschwerter aufspielen im Konzert der großen Uhrenmarken?

Hansjörg Vollmer: 

Einerseits können wir uns wieder stolz auf eine drei Generationen alte Firmengeschichte besinnen. Gleichzeitig wollen wir endlich all jene Innovationen präsentieren, die wir ein Jahr lang wegen unseres Image-Problems zurück halten mussten. Und die ersten Reaktionen von einigen ausgesuchten Händlern bestätigen uns darin, dass wir bereits einen würdigen Nachfolger für unsere erfolgreiche Fliegeruhren-Serie kreiert haben - und zwar die ARISTO-Marineuhren.

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